Vegetative Selbstregulation

 

Spannung und Entspannung wirken immer auf mehreren Ebenen – äußerlich wie innerlich. Ein Mensch, der dauerhaft unter hoher psyschischer Belastung steht, z.B. durch beruflichen Druck oder unzureichend verarbeitete schmerzhafte Erfahrungen, kann langfristig körperliche Beschwerden entwickeln. Dies hängt unter anderem mit einer Daueraktivierung des sympathischen Nervensystems zusammen (das ist der Teil des Vegetativums, der für „Fight-or-Flight“-Reaktionen bei Bedrohung verantwortlich ist). Gleichzeitig entsteht ein hormonelles Ungleichgewicht durch die übermäßige Ausschüttung von Stresshormonen. Beides zieht wie in einer Kettenreaktion weitere Konsequenzen nach sich, so dass allmählich der Organismus mehr und mehr aus der Bahn gerät. Bestimmte Organsysteme, wie das Verdauungssystem und die Muskelfaszien reagieren relativ schnell und spürbar auf solche Veränderungen, andere wie die Blutdruck- oder Blutzuckerregulation eher langfristig.

 

Umgekehrt haben ursprünglich rein physische Erkrankungen oder Verletzungen Auswirkungen auf die seelische Verfassung, wenn sie z.B. mit chronischen Schmerzen oder längerfristig starken körperlichen Einschränkungen verbunden sind. Als Physiotherapeutin mit neurologischem Schwerpunkt habe ich viele chronisch kranke PatientInnen über Jahre begleiten dürfen, und mich dadurch immer wieder mit diesem Zusammenhang auseinandergesetzt.

 

Es gibt verschiedene, z.T. lange bekannte Ansätze, wie jeder Mensch selbst regulierend und ausgleichend auf sein Vegetativum einwirken kann. Kneipp-Anwendungen z.B. werden auch als „vegetative Umstimmungstherapie“ bezeichnet, weil die entspannende Wirkung der Bäder und auch der Temperaturreize durch Güsse oder Wassertreten mittlerweile gut belegt ist.

Weiterhin gibt es Atemtechniken (z.B. aus dem Yoga), Bewegungsmeditationen und eine Vielzahl von leichten Bewegungsübungen, die ich in meine Behandlungen einfließen lasse, um Ihnen Möglichkeiten zur Selbsthilfe an die Hand zu geben. Oft ist eine grundsätzliche Betrachtung der Lebensgestaltung sinnvoll.

 

Denn ich bin der Überzeugung, dass sich Un-/Ausgewogenheit meiner Lebensumstände auch in meiner Verfassung widerspiegelt – körperlich wie seelisch. Dabei geht es nicht um Perfektion oder absolute Stress-Freiheit. Meine Frage ist eher: was kann ich – im Sinne der Selbstfürsorge – meinen täglichen Belastungen entgegensetzen,
wie kann ich Ausgleich schaffen?

 

Wo brauche ich z.B. welche Art von Ausgleichsbewegung, wenn ich beruflich viel im Auto oder am Schreibtisch sitze? Wieviel geistige Ruhe gönne ich mir, wenn ich von 1000 Dingen gedanklich gefordert bin? Und wie finde ich überhaupt zur Ruhe? Schaffe ich das allein oder würde mir eine Gruppe Gleichgesinnter helfen? Dies sind nur einige Beispiele von Fragen, die manchmal gestreift, manchmal tiefgehender angeschaut werden können.

 

Ich freue mich, gemeinsam mit Ihnen herauszufinden, was Ihnen gut tut.